Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. hat nach einem aktuellen Artikel von Cash-online zuletzt die gestiegene Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland begrüßt, zugleich aber kritisiert, dass dieser Anstieg noch immer nicht ausreichend sei, um den Bedarf an Wohnraum hierzulande zu decken. Gerade in den Ballungsgebieten fehlen viele Wohnungen – Lösungen lägen aber bereit um müssten nun umgesetzt werden. Die bisherigen Lösungsansätze der Politik scheinen nicht ausreichend zu sein. 


Die aktuelle Situation 


Nach aktuellen Zahlen sind in den ersten 9 Monaten die Zahlen für Neu- und Umbauten um ca. 2,3 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen – auf nunmehr insgesamt 262.830 Einheiten. Dies ist besonders auf die gestiegene Zahl der Mehrfamilienhäuser zurückzuführen – bei Ein- und Zweifamilienhäusern ist eher ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Nach Einschätzung von Experten sind in Deutschland jedoch jährlich etwa 350.000 bis 400.000 neugeschaffene Wohneinheiten notwendig, um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden. Damit verglichen, verläuft der Anstieg der Genehmigungszahlen zu langsam. Fachleute sehen daher eine immer dringender werdende Notwendigkeit, die Zahlen merklich zu steigern. Viele sehen dabei insbesondere in den immer enger werdenden Regulierungsbestimmungen und anderen Bremsmechanismen durch die Politik den entscheidenden Einflussfaktor, der einer weiteren Steigerung der Zahlen entgegensteht. Im Koalitionsvertrag ist ein Planungs- und Baubeschleunigungsgesetz vereinbart, das nun umgesetzt werden muss – so die Forderung aus der Branche. Die geplanten Steuererleichterungen sollten unbedingt dauerhaft zur Steigerung der Wohnraumschaffung beitragen und Zuschüsse sowie eine Erhöhung der Genehmigungskapazitäten sollten auf den Weg gebracht werden. 


Bundesregierung, Länder und Kommunen müssen an einem Strang ziehen 


Die Maßnahmen zur Erhöhung im Wohnungsbau sollten konzertiert durch Bundesregierung, Länder und Kommunen umgesetzt werden. Nur so kann nach Meinung der Fachwelt das notwendige Tempo zur Linderung der Wohnungsnot in den großen Städten in Deutschland erreicht werden. Voraussichtlich wird auch 2018 die Zielmarke von 400.000 neuen Wohneinheiten verfehlt werden. Um Kapazitätsengpässe zu vermeiden, sollten nach Meinung des GdW-Chefs Axel Gedaschko die „serielle und standardisierte Bauweise“ gefördert und eine bundesweit gültige bauliche Zulassung für solche Gebäude angekurbelt werden. Die Branche hätte in letzter Zeit entsprechende Konzepte vorgelegt. Er ist der Meinung, dass es dringend bezahlbare Grundstücke für die Schaffung von Wohnraum braucht, sowie eine bundesweit gültige Typengenehmigung. Anderenfalls könnte es zu langen Verfahren in Bauämtern kommen, was sicherlich keiner wirklich möchte. Es bleibt abzuwarten, ob die Politik jetzt zeitnah brauchbare Umgebungsbedingungen schaffen kann, damit sich die Zahl der Neuschaffungen von Wohnraum adäquat zum Bedarf erhöhen kann. 


Es fehlen ca. 1,9 Millionen bezahlbare Wohnungen 


Eine Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung kam zu dem Ergebnis, dass in den 77 deutschen Großstädten ca. 1,9 Millionen bezahlbare Wohnungen fehlen. Besonders betroffen von dieser Wohnungsnot sind allein lebende Menschen mit niedrigem Einkommen und Familien mit mittlerem Einkommen sowie Familien mit mehr als 5 Personen. Das Studienergebnis belegt, dass die Situation besonders in den Ballungsgebieten mit vielen Menschen sowie in Städten mit sehr hohem Mietniveau (z. B. München oder Berlin) schlimm ist. Die Studie hat dabei die Einkommen und Mieten in 77 deutschen Großstädten (mehr als 100.000 Einwohner) verglichen. Die Zahlen sind sicherlich eine Warnung, dass hier wirksame Maßnahmen gefunden werden müssen – und dies ohne großen Zeitverlust. 

Bild©francis bonami-AdobeStock